Das Schweigen zwischen den Zeilen

In mir ist heute eine Verzweiflung, die sich wieder und wieder breit macht. Ein Gefühl, das in Wellen kommt – mal geht es ein paar Stunden besser, und im nächsten Moment zieht es mir wieder komplett den Boden unter den Füßen weg. Es ist ein tief sitzender, emotionaler Schmerz. Das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen und alles verloren zu haben, obwohl mir mein Verstand sagt, dass das Leben irgendwie weitergeht.

Aber wie soll es weitergehen? Ich habe das Gefühl, ich stampfe nur auf der Stelle. Weil da eine Lücke ist, die niemand anderes füllen kann. Weil sie fehlt. Die Frau, mit der ich früher bei jeder Gelegenheit telefoniert habe. Die Person, mit der ich unaufhörlich geschrieben habe, sobald wir nicht im selben Raum waren. Und jetzt? Jetzt ist plötzlich alles stumm und anders.

Heute habe ich versucht, stark zu sein. Ich wollte mich zusammenreißen und ihr nicht bei jedem Impuls ein „Ich vermisse dich“ oder „Ich liebe dich“ schicken – so wie ich es sonst tue, wenn mich die Sehnsucht überrollt, sie einfach nur im Arm halten zu wollen. Ich wollte sehen, was passiert. Ob von ihr aus etwas kommt.

Es kam eine kurze Nachricht. Sie hat sich erkundigt, wie es mit dem Tisch in der Arbeit aussieht – diesem 50.000-Euro-Tisch, den ich gestern aus Versehen beschädigt habe und von dem ich ihr erzählt hatte. Ein Teil von mir war dankbar dafür. Es zeigte mir, dass sie mir gestern zugehört hat. Aber mein Herz hat sich so sehr nach etwas anderem gesehnt. Nach dem Gefühl, um meiner selbst willen vermisst zu werden.

Manchmal schleicht sich diese extrem dunkle, quälende Angst in mir ein: Was wäre, wenn ich mich gar nicht mehr melden würde? Würde mein Handy dann einfach für immer stumm bleiben? Ich habe manchmal das Gefühl, wenn ich mich nicht melden würde, würde sie sich nicht melden. Wenn überhaupt, dann nur, um zu sehen, ob ich tot bin – aber nicht, weil sie mich vermisst. Dieser Gedanke brennt wie Feuer.

Gestern am Telefon, als ich ihr sagte, dass ich sie liebe, erwiderte sie, dass sie mich auch noch liebt. Ich klammere mich an diese Worte wie an einen Rettungsanker. Aber es fällt mir gerade so verdammt schwer, diese Liebe im Alltag zu spüren, wenn die kleinen Zeichen, das kurze „Ich denke an dich“, ausbleiben.

Ich stelle mir unaufhörlich die Frage: Bin ich der Einzige, der noch mit aller Kraft versucht, Normalität hineinzubringen und den Weg zurück zueinander zu finden? Hinterlässt dieses ständige Hoffen und Bitten nicht jedes Mal neue Schrammen in mir? Ich fühle mich gerade einfach nur verloren, weil ich nicht weiß, wohin das alles führt.

Sie steht für mich unverändert auf dem Podest. Unangefochten auf Platz 1. Und ich sitze hier im Dunkeln und frage mich, ob für mich überhaupt noch ein kleiner Platz in ihrem Herzen frei ist – und sei es nur auf Platz 3.

Ich merke, wie ich wieder einen riesigen Kloß im Hals habe. Ich muss an dieser Stelle aufhören zu schreiben und versuchen, meinen Kopf irgendwie zur Ruhe zu bringen.

Guten Abend.

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