Wie ich diesen beitrag eigentlich nennen würde. Aber naja. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, bin natürlich auch ich das Problem. Zu einem verdammt großen Teil sogar. Ich denke, wir halten uns da echt arg die Waage. Einen echten „Sieger“ können wir hier nicht küren.
Ich bin Techniker, also was mache ich, wenn ein System wieder und wieder abstürzt? Ich analysiere die Logfiles. Ich habe unseren gesamten Chatverlauf exportiert und durch verschiedene KIs gejagt. Gemini, ChatGPT und Copilot (ja, ich hab echt überall einen Account, man muss die Modelle ja vergleichen, eines von denen kennt ihr sicher nicht mal). Ich habe die Maschinen nach Mustern suchen lassen. Natürlich ist mein Ton oft ein massives Problem, meine Ausraster sowieso. Da sind die Algorithmen gnadenlos objektiv. Aber ich habe noch etwas anderes auswerten lassen: Wer zeigt durchgehend mehr Bereitschaft zur Veränderung?
Die Antwort der Modelle war so simpel wie wenig erschreckend: Ich. Wer sonst. Denn wie ich es ihr auch schon des Öfteren gesagt habe: „Das ist deine Welt, dein Reich – du bist Julius Cäsar.“ (Kleiner Exkurs: Cäsar hat damals den Rubikon überschritten und einen Bürgerkrieg ausgelöst, einfach weil er die absolute Macht nicht abgeben konnte. Das meine ich gar nicht als bösen Vorwurf an sie, aber es zeigt die Dynamik: Wenn man in seinem eigenen Reich die alleinige Kontrolle hat, ist es verdammt schwer, die Macht zu teilen und Kompromisse zu machen.)
Und so ist es nun mal auch. Psychologisch gesehen ist sie absolut im Heimvorteil. Wie man das im Fußball sagen würde (denke ich, ich kenn mich da eigentlich null aus). Aber der Heimvorteil ist statistisch belegt: Man traut sich mehr in seiner gewohnten Umgebung, der Testosteronspiegel ist bei Heimspielen minimal höher, man tritt dominanter auf. Deswegen gewinnen Mannschaften, die zuhause spielen, signifikant öfter als auswärts. (Außer beim SK Pama. Da ist diese Statistik absolut nicht anwendbar, die verlieren – wie es aussieht – echt überall gerne. Ein T-r-a-d-i-t-i-o-n-s-v-e-r-e-i-n! Langsam betonen, dann wirkt es nach mehr).
Aber egal, darum geht’s nicht. Dieser Heimvorteil von ihr ist einfach gewaltig. Es sind diese zweiseitigen Sachen. Sie darf Dinge, die ich nicht darf, allein weil sie ja dort zuhause ist. Es ist IHR Zuhause. Gut, streng genommen steht sie im Grundbuch und ist mit ihren 30 Jahren bis über beide Ohren verschuldet (300k, bei den aktuellen Zinsen ein finanzieller Wahnsinn, aber nicht meine Sache). Ich habe mich dort trotzdem „zuhause“ fühlen sollen. Ja, nur wie denn?
Wie zur Hölle soll man sich irgendwo zuhause fühlen, wenn permanent diese lähmende Unsicherheit mitschwingt? Ich glaube nicht einmal, dass sie das bewusst als Waffe einsetzt. Aber die Dynamik, die dadurch entsteht, ist erdrückend. Man lebt in der ständigen Angst, dass mal wieder irgendeine Kleinigkeit reicht und man einfach weggeschickt wird.
Siehe das aktuelle Exempel á la „Moi“ – französisch für ICH! Ich bin das beste Beispiel. Es ist wieder passiert. Ich bin mal wieder rausgeschmissen worden und friste jetzt mein Dasein wieder in Wien. Wo denn sonst? DAS ist mein Reich.
Ich verstehe dieses Konzept einfach nicht. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie bei einer Frau, die zu mir gezogen ist, diese Wohnsituation als Hebel genutzt. Denn was gibt es psychologisch Schlimmeres, als ständig in der Angst zu leben, „obdachlos“ zu werden? Ja, bei mir ist es de facto nicht ganz so schlimm, ich lande ja nicht auf der Straße, aber emotional fühlt es sich exakt so an. Weil man immer wieder abrupt aus seinem neuen, liebgewonnenen Umfeld weggerissen wird.
Und da geht es nicht nur um ihr verdammtes Haus. Es geht um die Kinder. Es geht um E. und F. Zu wissen, dass ich für sie nicht mehr da sein darf, weil ich vor die Tür gesetzt wurde, zerreißt mich. Und um L., der es geliebt hat und jedes Mal ein Funkeln in den Augen hatte, wenn ich sagte, wir fahren nicht zur Oma nach Ungarn, sondern nachhause zu B. und mir.
Egal. Die Kernaussage war eigentlich, dass nach der Auswertung der KIs schwarz auf weiß herausgekommen ist, dass sie in fast jedem unserer großen Streits (fünf an der Zahl – FÜNF! Ja, wir sind echt dumm, beide) der Meinung war, dass sie sich nicht verändern möchte. Von mir wurde diese Veränderung aber permanent gewünscht. Denn so geht es nicht mehr weiter, es muss sich was verändern – was objektiv stimmt. Aber ich bin doch nicht alleine schuld an diesem ganzen Systemversagen.
JA – ich habe ein Problem mit meinem Kopf. JA – meine Impulskontrolle ist schwer geschädigt. JA – ich habe es nicht fertig therapiert. Aber wie denn auch? Ich hatte diesen Frühling einen Schlaganfall, einen Medialinfarkt. Da geht physisch Gewebe zugrunde, oft genau in den Hirnregionen, die als Filter für Emotionen und Impulse dienen. Das ist ein Hardware-Defekt, kein Charakterfehler. Ich war damals arbeitslos und die Krankenkasse hat es trotzdem eiskalt abgelehnt, die Therapie zu zahlen. Für dieses Gesundheitssystem bin ich nämlich „GESUND“. Ich sabbere nicht vor mich hin und sitze nicht im Rollstuhl. Alles andere, was sich unsichtbar im Gehirn abspielt, ist laut Kasse machbar und mein privates Problem. Da ich arbeitslos war, konnte ich mir das aus eigener Tasche einfach nicht leisten.
Ich weiß selbstverständlich selbst, dass mein Schatz darunter unfassbar leiden musste. Ich weiß es jetzt. In der akuten Situation habe ich es einfach nicht gesehen. Ständige Nörgeleien, oft Türen zuknallen, Sachen durch die Gegend schmeißen, beleidigend werden. Zudem die absolute Unzufriedenheit mit mir selbst, da ich damals arbeitslos und finanziell richtig scheiße aufgestellt war…
Mittlerweile habe ich das Arbeitslos-Sein aber auch hinter mir. Ich bin wieder arbeiten, in der IT auf einem Schloss. 25 Minuten von meinem ursprünglichen Zuhause entfernt. Was wir beide von Anfang an super toll fanden. Jetzt muss ich halt aus Wien dorthin pendeln… ist aber eine andere Geschichte. Ich weiß jedenfalls, dass sie einiges ertragen musste. Aber das kam ja nicht von mir als der Person, die ich eigentlich bin. Das kam von der Schlaganfall-Version.
Aber anscheinend spielt das keine Rolle mehr. Sie hat mir etwas gesagt, das mich härter getroffen hat als alles andere. Sie sagte mir eiskalt ins Gesicht, dass sie diese aktuelle Version von mir nicht mehr lieben kann. Bam. Das saß. Das hat mir förmlich die Luft aus den Lungen gepresst – oder was noch zumindest da ist seit dem Nikotinkonsum.
Das System ist gecrasht. Und ich sitze jetzt wieder in Wien und schaue auf die Trümmer.
Aber – und das ist mein verdammter Fehler im Code oder mein größter Antrieb, ich weiß es nicht: Für mich ist es nie vorbei. Ich bin ein Macher, ich will immer reparieren. Egal wie hoffnungslos die Situation ist.
Um das an dieser Stelle ganz klar zu sagen: Das hat absolut nichts damit zu tun, dass ich Beziehungen generell nicht beenden kann. Bei jeder meiner ehemaligen Beziehungen – und das waren doch einige – bin ich am Ende immer gegangen. Wortlos. Sauberer Cut, wir hatten nie wieder Kontakt. Ich habe immer alles sauber beendet, wenn es vorbei war. Aber mit ihr kann ich es einfach nicht beenden. Und das ist nicht obsessiv gemeint. Ich möchte einfach nicht aufgeben, was mir, was uns, so unfassbar gut getan hat. Zumindest bis zu diesem verdammten Schlaganfall. Wir waren ja nicht nur einfach ein Paar, wir waren schon so lange davor sehr gute Freunde. Es ist unendlich schade und es zerreißt mich, dass ich mit diesem Crash nicht nur meine Partnerin, sondern gleichzeitig auch meine beste Freundin verloren habe.
Eine sehr gute Freundin hat mir irgendwann mal vor längerem gesagt: „Man gibt nur Pakete auf, nicht die Liebe seines Lebens.“ Und verdammt, das stimmt.
Ich werde mir jetzt einen Therapieplatz suchen. Irgendwie werde ich das finanzieren und ich werde das knallhart durchziehen. Ich muss das System neu aufsetzen. Ich muss wieder zu dem Mann werden, der ich vor dem Schlaganfall war. Zu genau dem Typen, in den sie sich damals ursprünglich verliebt hat. Denn wenn sie diese kaputte Version von mir nicht mehr lieben kann, dann muss ich die fehlerhafte Hardware eben endgültig fixen und das Original wiederherstellen.
Vielleicht kann sie mich ja dann wieder lieben. Vielleicht sehe ich dann die Kids wieder, vielleicht hat L. dann endlich seine Familie, die er so gern hat. Und mein Traum vom Altar und meinem Nachnamen hinter ihrem Vornamen geht eines Tages in Erfüllung.
In ewiger Demut,
Michi
PS: Ich liebe dich immer noch.