Die Abmachung

und die zerschmetterte Vase

Am Anfang unseres Zusammenseins, noch vor unserer eigentlichen Beziehung, hatten wir eine ganz klare Abmachung. Eine feste Regel: Keine anderen Sexualpartner.

So wie es kam, kam es irgendwann zu einem Streit wegen einem Bild (das erkläre ich euch ein anderes mal genauer). Daraufhin haben wir Schluss gemacht. Besser gesagt: Ich habe Schluss gemacht. Und zwar, weil sie einfach davongelaufen ist, ohne mit mir zu reden. Das kommt bei ihr echt oft vor, flüchten ist eine Taktik, die bei ihr absolute Methode hat. Warum auch immer. Da bin ich einfach anders gestrickt. Ich will reden, immer und immer wieder. Weil Probleme sich meiner Meinung nach nicht einfach in Luft auflösen, wenn man aus der Situation flüchtet. Okay, im ersten Moment aus der Situation rauszugehen, ist ja in Ordnung, aber spätestens nach einer Stunde sollte man über die Probleme reden, die gerade da sind. Wieso? Weil sich das meiner Meinung nach so gehört und alles andere unfair ist, wenn man sich liebt.

Egal, es kam, wie es kam. Ich hab sie während der einen Woche, die wir getrennt waren, gefragt, ob es jemand anderen gibt. Sie hat mir fest versichert, dass es keinen gibt. Sie hat mich als blöd abgestempelt, wieder und wieder, meinte ich sei nur eifersüchtig und was weiß ich was alles. Dabei hatte ich einfach nur verdammte Angst, dass genau das passiert, was bei all meinen ehemaligen Beziehungen passiert ist, wenn wir mal Streit hatten. Denn damals ist jede sofort in die Arme eines anderen geflüchtet. In der Psychologie nennt man das wohl „Monkey Branching“ (sagte zumindest meine Psychologin) – man hält den nächsten Ast schon fest in der Hand, bevor man den alten überhaupt losgelassen hat. Ein extremer Fluchtreflex, um sich dem Konflikt und dem Schmerz nicht stellen zu müssen.

Nun, wie es kam, kam es. Ich hatte unfassbare Angst sie zu verlieren, sie versicherte mir, dass sie das nicht tut. Wie sich herausstellte, tat sie es doch. Ja ok, wir waren nicht zusammen, nicht offiziell davor, aber für uns intern schon. Getrennt habe zwar ich mich, aber wir waren schon wieder am Weg der Besserung und haben wieder miteinander geredet. Eines Abends sagte sie mir, dass eine Freundin vorbei kommt. Ich dachte mir nichts dabei, ist ja vollkommen ok. Zwei Tage später hieß es wieder, dass „wer“ vorbei kommt. Sie wollte mir nicht sagen wer, aber ich ahnte es schon. Es gab nämlich einen Kollegen, der auf sie stand. Ich habe sie fast angebettelt, mir zu sagen, wer es ist. Sie sagte es nicht. Ich solle mir keine Sorgen machen, sie macht sowas nicht, das würde sie mir nicht antun, meinte sie. Nun ja, ich glaubte ihr. Ich vertraute ihr.

Einen Tag später sagte sie mir, dass er es war. Und dass sie mit ihm geschlafen hat.

Meine Welt ist in diesem Moment zusammengebrochen. Jeder, der sowas schon mal erlebt hat, weiß exakt, was ich meine. Es ist eine ganz andere Art von Schmerz. Es bricht etwas in einem. Es geht nicht nur einfach kaputt, es liegt komplett in Trümmern. Es wird unfassbar schwer, diese metaphorische Vase des Vertrauens wieder aufzubauen. Das wusste ich damals schon. Bei jeder Ex-Freundin, die sowas abgezogen hat, habe ich die Scherben zusammengekehrt und entsorgt.
Da war es mir nicht wert, es wieder aufzubauen.
Aber hier war es anders. Ich war bereit, diesen verdammt schweren Weg zu gehen.

Nagt es an mir immer noch? Ja.
Denk ich immer noch an den schmerz, der da war? Vielleicht.
So sehr wie am Anfang? Definitiv Nein.

Mittlerweile steht die Vase wieder, aber es liegen noch ein paar splitter rum und der Riss in der Vase, der blieb bis dato noch. Noch.

PPS: irgendwie liebe ich dich dann ja doch noch