Es ist dieses Gefühl, als würde man direkt am rand eines Abgrunds stehen. Die Gedanken sind völlig wirr, ein einziges Rauschen im kopf. Ich weiß langsam nicht mehr, was das alles zu bedeuten hat. Was das alles überhaupt noch soll.
Wir haben fehler gemacht. Sehr viele. unendlich viele. Von beiden Seiten. Und trotzdem gibt es da etwas, das einen so dermaßen fest an dieses „Wir“ fesselt, dass man eigentlich nicht mehr kann, aber tief im Inneren immer noch wollen würde. Ist es klug? ABSOLUT KEINE AHNUNG.
Wir haben gestern telefoniert. Es war ein absolutes Auf und ab, aber paradoxer weise hab ich so viele antworten bekommen wie schon lange nicht mehr. Eine dieser Antworten war ein Vorwurf: Sie denkt, dass ich sie verändern will. Sie glaubt, ich würde bestimmte markante arten und Charakterzüge an ihr einfach nicht mögen. Aber so sehe ich das überhaupt nicht. Ich sehe es nicht als „verändern“ per se. Ich glaube fest daran, dass man zu einer besseren Version seiner selbst werden kann, wenn man bereit ist, sich ein wenig formen zu lassen und an sich zu arbeiten. Nicht für mich, nicht für sich, für ALLE in unserem Leben, denn das würde manchmal auch viel ändern. Es ist kein muss, es ist ein könnte.
Der bekannte psychologe Abraham Maslow (ja so heißt der, hab den gegooglet, da ich den namen nicht kannte aber die aussage) hat das einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht: „In jedem Moment haben wir zwei Optionen: Einen Schritt vorwärts in das Wachstum zu machen, oder einen Schritt rückwärts in die Sicherheit.„ Persönliche Veränderung ist nichts Schlechtes. Es ist ein völlig natürlicher Prozess des Lebens. Es gibt keinen Stillstand. Man darf sich verändern, man muss es sogar, um nicht auf der Stelle zu treten. Und wie schon Albert Einstein wusste: „Die Definition von Wahnsinn ist, imemr wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Sie will ja auch, dass ich Muster und Prozesse von mir durchbreche.
Und genau an diesem punkt stehe ich jetzt. Ich stehe da und weiß gar nciht mehr, ob es überhaupt noch die beste Idee ist dieses buch zu beenden und endgültig zuzuschlagen. Mein Herz schreit definitiv „Nein!“. Aber mein Kopf fragt völlig nüchtern: Wozu?
Wozu sich ständig wegstossen lassen, nur weil das ihre art und weise ist, problemen und Konflikten aus dem Weg zu gehen?
Wieso muss ich jedes Mal derjenige sein, der angekrochen kommt?
Verdiene ich es nicht auch einmal, dass man mir sagt: „Hey, ich habe überreagiert, ich habe falsche sachen gesagt und es tut mir leid“? Bricht einem wirklich ein Zacken aus der Krone, wenn man merkt, dass man unfair war, und einfach mal zurückrudert? Ist es so dermaßen gegen alle eigenen Prinzipien, dem Menschen, den man angeblich liebt, Halt zu geben, indem man sagt: „Ja, ich habe das im Streit gesagt, aber ich habe es nur halb so ernst gemeint wie es rübergekommen ist“? Sind wir durch unsere Vergangenheiten und unsere Leben davor psychologisch wirklich so dermaßen kaputtgemacht worden, dass wir so etwas simples wie eine ehrliche Entschuldigung nciht mehr hinbekommen?
Es zerreißt mich, wenn ich auf mein Handy schaue. Google Fotos schickt mir täglich diese automatischen Rückblicke. „Erinnerungen aus den letzten Jahren“. Und was sehe ich? Immer nur Bilder von ihr. Von uns. Von der Familie. Wir sehen darauf so unglaublich unbeschwert aus. Egal, was gerade um uns herum passierte, wir sehen auf jedem einzelnen Bild so immens verliebt aus. Denn das waren wir. Bis zum aller letzten Tag war jedes Foto voller Leben, voller Liebe. Wir haben uns auf diesen Bildern so angesehen, wie ich noch nie gesehen habe, dass ein Paar sich ansieht. Weder im echten leben noch auf irgendeiner perfekten Instagram- oder Facebook-Seite. So ein verliebtes Paar wie uns gab es kein zweites Mal. Trotz all der Hindernisse, trotz der Steine, die uns im Weg lagen – oder die wir uns selbst in den Weg gelegt haben –, wir waren am letzen Tag noch genauso verliebt wie am ersten.
Genau das is mein Problem. Genau das ist es, was mich so extrem belastet. Ich will eigentlich nicht aufgeben. Aber wieso soll immer nur ich kämpfen? Wieso kämpft sie nciht für uns, wenn es benötigt wird? Sie tuts ja auch, wenn alles schön ist und es funktioniert.
Wieso sieht es nach außen so aus, als würde nur ich das alles wollen und sie nicht? Einstehen FÜR UNS – das wäre doch auch mal was schönes von ihrer Seite. Glaubt sie wirklich, dass sie alles mit mir machen kann und ich ohnehin immer wieder zurückkomme? Hat sie jeden Respekt vor mir verloren? – DAS sind die fragen.
Gestern warf sie mir dann auch provokativ vor, ich würde nur viel reden aber nix tun. Der Hintergrund: Im Streit hatte ich aus Wut und Verletzung gedroht, ich würde mit einer anderen schlafen, wenn sie mich rausschmeißt. Ich weiß, scheiße von mir aber: Habe ich das gemacht? Natürlich NEIN. Aber anstatt beruhigt zu sein – anstatt das Positive zu sehen, dass sie sich keinen Typen genommen hat, der sie bei der ersten Krise leichtfertig wegschmeißt –, dreht sie mir einen Strick daraus. Sie nutzt es, um mir reinzuwürgen, dass ich „mein Wort nicht halte“. Warum wird das Negative gesucht? Warum sieht sie nicht, dass ich im Zweifelsfall lieber alles opfere, als uns wegzuwerfen?
Wieso ist es nciht positiv, dass meine freunde zwar über mich lachen weil ich immer wieder zu ihr zurück gehe, mir das aber völlig egal is? Ich stehe über der Meinung anderer. Ich gehe zurück, weil ich liebe wie ein Schwan, für immer. Oder wie ein pinguin, der seinem Partner einen Kieselstein überreicht. Pinguine machen das nur ein einziges mal in ihrem leben.
Ich habe vor ihr noch nie, wirklich noch niemals, zu einer Frau gesagt, dass sie die Liebe meines Lebens ist. Und verdammt nochmal, ich denke, das ist diese Frau wirklich. Ich gebe mich wieder und wieder auf, veliere mich selbst, und weis am Ende des tages einfach nicht, wieso meine liebe mich ausgerechnet an ihr so gnadenlos festhält.
Am ende des Telefonats war es echt schwer nicht die üblichen „Gute Nacht“ rituale einzuhalten und nicht ich liebe dich zu ihr zu sagen.
Aber:
PPS: irgendwie liebe ich dich dann ja doch noch