Mein altes Universum und die neue Realität


​Einige von euch wissen vielleicht, dass das hier nicht mein erster Versuch ist, das Chaos in meinem Kopf aufzuschreiben. Ich hatte bereits einen Blog. Er lag auf meinem alten Server, bis sich dort leider die Festplatte mit einem Defekt verabschiedet hat – und mit ihr all meine damaligen Zeilen.
Gott sei dank habe ich manches noch in Word vorgeschrieben.

​Deshalb habe ich diesen neuen Blog hier eröffnet. Im alten Blog ging es fast ausschließlich darum, was ich verloren hatte und wie sehr ich mir wünschte, alles wieder zurückzubekommen. Ich war gefangen in dem Wunsch, die Zeit zurückzudrehen.


​Hier und heute ist der Blickwinkel ein wenig anders. Versteht mich nicht falsch: Sie ist mir nach wie vor immens wichtig.
Ich kann und will mir eigentlich gar kein Universum ohne sie vorstellen, und ich vermisse dieses Universum noch immer jeden Tag.
Ich vermisse die Menschen, die darin waren – F., E., L. und sie. (Die Namen habe ich aus Datenschutzgründen auf die Anfangsbuchstaben gekürzt, ich denke, das versteht ihr). Sie hat damals F. und E. mit in die Beziehung gebracht, und ich meinen Sohn L., aber in meinem Herzen gab es da nie eine Trennlinie.
F. und E. sind für mich wie meine eigenen, und ich habe sie immer voller Stolz als meine nicht-biologischen Kinder betitelt. Ich habe auch voller Stolz Fotos von ihnen in meinem Geldbörsel.

​Aber das Ziel dieser Zeilen hier ist nun die Aufarbeitung. Es geht darum, ihre Entscheidung zu akzeptieren.

Sie selbst sagte mir jedes Mal, dass es einfach nicht geht, wieder zusammen zu sein – und genau daran will und muss ich mich jetzt halten. Nicht mir zuliebe, denn das tu ich nicht für mich, ihr zuliebe, weil ich sie mehr liebe als sie bei mir behalten zu wollen auf biegen und brechen.
ich sehe ihr lieber aus der Ferne beim Leben zu und glücklich sein, als mich ihr aufzudrängen.


​Trotzdem möchte ich euch – und mir selbst – den allerersten Eintrag von damals nicht vorenthalten. Er zeigt, wo ich stand, als die Welt zum ersten Mal zusammengebrochen war, vielleicht erkennt ihr den unterschied zu heute viel besser

​Hier ist er:
Soviel wie die letzten Tage, habe ich noch nie geweint.
Es ist, als würden die Tränen aus all den Momenten kommen, in denen ich stark war, obwohl ich es nicht war.
Jetzt ist nichts mehr stark. Nur ehrlich.
Die Stunden verlieren ihre Form, die Tage ihren Sinn.
Ich bewege mich durch Räume, die zu groß geworden sind, und suche nach einem Geräusch, das einmal Zuhause bedeutete.
Die Stille hat ein Gewicht, das man nicht tragen kann – sie legt sich auf jeden Gedanken, auf jeden Atemzug.
Ich denke an das, was einmal war.
An Lachen, das durch die Wohnung hallte.
An Kinder, die durch das Wohnzimmer rannten, barfuß, unbeschwert, voller Leben.
An kleine Hände, die Vertrauen bedeuteten.
An Augenblicke, in denen sich alles richtig anfühlte – so, als wäre das Universum genau hier, mitten in diesem Chaos aus Alltag und Liebe.
Das war mein Universum:
sie, ich, unsere Kinder, das Durcheinander, die Wärme, das Gefühl von Ankommen.
Nicht perfekt, aber vollkommen.
Ich wollte nichts anderes, nichts Größeres.
Und jetzt ist es, als wäre ein Stern nach dem anderen verglüht, bis nur noch Dunkel bleibt.
Aber irgendwo darin leuchtet noch etwas. Eine Erinnerung, eine Hoffnung.
Ich halte sie fest, weil sie das Einzige ist, was mich noch hält.
Vielleicht wird dieses Universum nie wieder ganz so sein wie früher.
Aber ich glaube, dass es noch da ist – nur verborgen, wartend, still.
ps: ich liebe dich noch immer
pps: ich vermisse dich
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​Zwischen diesem alten Beitrag und dem Hier und Jetzt liegt ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr, in dem sich unglaublich viel verändert hat. Wunderschöne momente sind entstanden, wundervolle verbindungen wurden geformt, wir sind uns näher gekommen als wir davor schon waren.


​Das Verrückte ist nämlich: Nach diesen Zeilen hatten wir tatsächlich wieder zusammengefunden.
Der Stern, an den ich mich in diesem alten Text so verzweifelt geklammert hatte, begann noch einmal zu leuchten. Wir haben es wirklich noch einmal versucht, haben gekämpft und gehofft, dass wir das Ruder herumreißen können. Es ging, eine weile.
​Aber die Realität hat uns wieder eingeholt. Jetzt, ca. sechs Monate später, stehen wir erneut am Ende.
Der Stern verglüht jetzt für immer. ich sitz in einer Notkapsel und fliege zurück zu meinem Raumschiff in dem ich gekommen bin.

Nicht, weil sie mir unwichtig geworden wäre – im Gegenteil. Sondern weil ich akzeptieren muss, dass es aus ihrer Sicht einfach nicht funktioniert und es geht halt nicht, wenn nur ich an diesem Universum festhalte aber mir ständig gezeigt wird, dass es sich nicht lohnt daran zu arbeiten.

In den kommenden Beiträgen werde ich genau darüber schreiben: Über die Gründe, warum es vorbei ist, und den schmerzhaften, aber notwendigen Prozess, loszulassen, auch wenn das Herz am liebsten noch festhalten würde.


​Ich werde jetzt versuchen, weiterzugehen.

Und wer weiß… vielleicht fliegt mein Raumschiff ja irgendwann in der Zukunft noch einmal an diesem wunderschönen Universum vorbei, auf einen Besuch, auf eine Vorbeisehen ob alles ok ist,…

PPS: irgendwie liebe ich dich dann ja doch noch..

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