Der Blick

in meinen eigenen Spiegel

In den letzten texten ging es viel um sie. Um das, was sie getan hat, was sie nicht gesagt hat und wie sehr mich das alles zerreißt. Bevor das hier aber wie eine einseitige Anklageschrift wirkt, muss ich etwas ganz klarstellen: Das hier ist mein Blog. Er gibt logischerweise nur meine sicht der dinge wieder und fokussiert sich auf meine Verletzungen. Warum? Weil ich ihre schlichtweg nicht kenne. Ich bin jemand, der redet und zuhört. Aber da mit mir ja nicht gesprochen wird und sie flüchtet, kann ich nur das angehen und verarbeiten, was ich sehe, oder das, worüber in unseren letzten Telefonaten gesprochen wurde.

Ich habe bereits unzählige Seiten über meine eigenen Fehler geschrieben. Viele davon habe ich einfach nur noch nicht veröffentlicht, oder das Datum für die automatische Veröffentlichung ist noch nciht erreicht. Ich plane oft mehrere Texte für einen Tag ein, die dann automatisch online gehen – das hier ist also kein unüberlegter Schnellschuss mitten in der Nacht, sondern wohl überlegt und wird sobald ich mir klar bin wann, automatisch veröffentlicht.

Aber ich will das jetzt hier auf den tisch legen. Weg vom abstrakten und kurzen „Klar habe ich auch Fehler gemacht“. Hin zum konkreten, hässlichen Teil von mir.

Denn ja, ich habe fehler gemacht. Große fehler. Es gab dieses sinnlose rumschreien. Ich bin lauter geworden, wenn mir die Argumente oder die nerven ausgegangen sind. Ich habe Türen zugeschlagen. Ich habe sie festgehalten. Ich habe sie am gehen gehindert, wenn sie wieder flüchten wollte. Ja, aus den völlig falschen Motiven heraus: Ich wollte in meiner Verzweiflung einfach nur, dass sie bleibt und endlich mit mir spricht. Aber jemanden festzuhalten, ist falsch. Punkt.

Ich habe aggressives verhalten gezeigt. Nicht weil ich ein grundlegend böser mensch bin, sondern aus purer, absoluter Überforderung. Weil mein altes System, meine Wut zu kanalisieren und abzuleiten, irgendwann einfach nicht mehr funktioniert hat. Das Fass war übergelaufen. Die Rohre die ableiten sollten waren schon überfüllt. Ich habe mich von ihren ständigen Provokationen anstecken lassen und habe dann selbst absichtlich provoziert. Ein absolut toxischer Kreislauf. Und tief drinnen brodelte teils noch diese Restwut, damals. Die Wut wegen diesem anderen typen damals, die ich dachte runtergeschluckt zu haben, die ich aber scheinbar doch nicht immer unten halten konnte.

Dann gab es die Aktionen, bei denen ich einfach null drüber nachgedacht habe. Das hochladen von diesem einen Bild, auf einer Schmuddel Seite, was ein massiver fehltritt war und etwas fast öffentlich gemacht hat, das privat bleiben sollte. Oder das Senden eines Bildes an eine Freundin, wo ich immer noch keine Erklärung dazu habe, ich weiß es ist unbefriedigend keine Antwort zu bekommen, das ging mir auch schon oft so bei verschiedenen Fragen, aber ich habe keine, es war einfach nur Dummheit und hat uns gefährdet, mehr leider wirklich nciht. Und natürlich die Worte… das Beschimpfen, wenn der Kopf im streit komplett ausschaltet und man nur noch blind um sich schlägt. Um nur noch maximal zu verletzen, weil man nicht mehr drüber nachdenkt mit dem Menschen sein Leben verbringen zu wollen sondern im moment nur das zu sehen, dass man weggedrückt wird und es ja laut aussage sowieso kein uns mehr gibt und nie wieder geben wird.

Versteht mich nciht falsch: Für alles gab es in meinem kopf in dem moment einen grund. Eine Ursache, eine Reaktion auf eine Aktion, die mich in die enge getrieben hat. Aber mir ist klar, dass ein Grund eben nicht immer gleich eine Rechtfertigung ist. Es war oft toxisch, es war drüber und es war unfair. Ich habe meine eigenen Dämonen in diese Beziehung mitgebracht und ich habe sie oft genug von der leine gelassen.

Ich habe in den gesprächen mit meiner Psychologin einiges dazu gelernt. Vieles, was ich nach wie vor anwenden kann und auch werde. Vieles, was in der Theorie logisch ist, aber in der praxis eben noch nicht ganz so gut funktioniert hat. Durch meine Impulskontrollstörung fällt es mir einfach verdammt schwer, sofort und jedesmal richtig zu reagieren.

Im grunde denke ich, dass ich absolut kein böser mensch bin, sondern eigentlich eher der ruhige und gelassene Typ. Früher haben sich viele leute bei mir gefragt, wann überhaupt mal mein geduldsfaden reißt. Momentan ist der aber einfach wesentlich weniger lang belastbar. Wenn ich eine anmerkung an meine kilos bekomme, gehe ich sofort durch die decke. Wird mir etwas vorgehalten oder mir gesagt, dass ich wie ein kind bin, finde ich das einfach nicht fair. Weil ich definitiv nciht so bin und mich nicht so verhalte. Das empfinde ich in dem Moment einfach nur als pure provokation und den versuch, mir weh zu tun.

Genauso wie wenn man mir im provokativen modus sagen würde, dass man mich betrogen hat. Dann würde ich ebenso direkt durch die decke gehen, ohne auch nur noch eine sekunde drüber nachzudenken, ob das der wahrheit entspricht oder ob die zeit das überhaupt zulassen würde – wo wir doch nach ihrer arbeit sowieso ständig beieinander sind. Da ist das rationale denken durch solche triggerwörter aber einfach komplett abgedreht und es kommt nur noch der harte konter von mir.

Und obwohl sie ganz genau weiß, welche Knöpfe sie drücken muss, um mich zur Weißglut zu bringen – die Entscheidung, in die Luft zu gehen, treffe am Ende dann doch, irgendwie indirekt, immer noch ich.

PPS: ich liebe dich immer noch